rebekkaschweitzer.de

Romane | Kreatives | Gedanken

Meine erste echte Nähliebe war das Patchworken und Quilten.

Patchwork – Was ist das eigentlich?

Quilten

Fangen wir am anderen Ende an: Denn Quilten zu erklären, ist einfacher als Patchworken. Übersetzt bedeutet es “Steppen” – ein Quilt ist also eine Steppdecke. Immer, wenn zwei Schichten Stoff mit einer Füllung dazwischen zusammengenäht werden, kann man davon sprechen, dass sie gequiltet wurden. Das kann in ganz einfachem Karo- oder Rautenmuster passieren, wie man häufig im Innenfutter von Jacken sieht, oder in feinsten, ausgeklügelten Mustern. Angefangen Stoffe zu steppen, hat man in Europa zum Ende des Mittelalters hin, etwa für warmhaltende Unterwäsche oder als Polsterung unter der Rüstung. Bald schon aber fing man an, auch Bettdecken zu steppen. Die älteste, heute erhaltene Steppdecke ist eine sizilianische Arbeit aus dem 15. Jahrhundert.

Patchwork

Patchwork lässt sich grob als “Flickenwerk” übersetzen. Hierbei werden einzelne Flicken aus Stoff zu einem großen Ganzen zusammengenäht. Auch diese Technik hat eine lange Tradition, wenn auch nicht ganz so lang wie das Quilten, schließlich muss eine Patchworkarbeit mit zumindest einem Stoff von der Rückseite gesichert werden, damit sich die vielen Nähte nicht wieder lösen, und setzt so das Quilten voraus. Um zum Ziel zu kommen gibt es verschiedene Methoden: Da ist das Applizieren, bei dem kleine Stoffstücke auf einen größeren Hintergrundstoff genäht werden. Beim “French Paper Piecing” werden auf Vorlagen aus Papier nach und nach Flicken aufgenäht, gebügelt und wieder genäht. Auch das “Englisch Paper Piecing” nutzt Papier, um besonders präzise Ergebnisse zu erhalten. Hier wird der Flicken zunächst von Hand um eine Papierform herum genäht und diese vorbereiteten Formen schließlich zusammengefügt. Meine Lieblingsautorin Jane Austen hat solch einen Quilt mit ihrer Schwester und ihrer Mutter genäht.

"American Piecing"

Und dann gibt es da das “Piecing”, die heutzutage wahrscheinlich am weitesten verbreitete Methode des Patchworkens. Hierbei werden die Stoffstücke ohne Papier, dass man hinterher entfernen müsste, direkt aneinandergenäht. Man könnte es auch “American Piecing” nennen, denn es sind die amerikanischen Frauen, die – zunächst in den Kolonien, dann in den Vereinigten Staaten und Kanada – diese Art des Flickenwerks perfektionierten. Der erste noch erhaltene amerikanische Quilt stammt aus dem Jahr 1704. Meist sind diese Patchworkarbeiten in Quadraten gefertigt, die wiederum geometrische Muster zeigen. Geometrisch vermutlich deshalb, weil es zum einen einfach umzusetzen ist und zum anderen weil die Quadrate wiederum in Reihen aneinandergefügt werden zu einem Patchworkteil in Größe einer Decke und man so Spielraum hat, mit dem Arrangement noch ganz neue Muster zu schaffen. Aber es muss nicht unbedingt in Quadraten genäht werden. Die Quilts der Amish im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten etwa zeigen viel einfachere, größere Muster und beim “Crazy Patchwork” werden die Flicken scheinbar wahllos in wildester Form zusammengenäht.

Soweit mein kleiner Einstieg in die Welt des Patchworks und Quiltens. Es gäbe noch viel, viel mehr zu erzählen, wie zum Beispiel das vermehrte Aufkommen von bedruckten Stoffen im 19. Jahrhundert, die Rolle der amerikanischen Sklaverei oder das Patchwork-Revival in den 70er-Jahren. Ich beziehe mich in meinem Text auf das, was ich über die Jahre hinweg in verschiedensten Quellen gelesen habe, stütze mich aber hauptsächlich auf folgene zwei Bücher: Quilts von Dennis Duke und Deborah Harding und Encyclopedia of Pieced Quilt Patterns von Barbara Brackman.

Eure Rebekka